Stuttgart
20. Juni 2005
Die technisch und optisch überholte S-Klasse des Luxusauto-Herstellers Mercedes-Benz wird deutlich teurer. Mit der Neuauflage der Oberklassenlimousine will DaimlerChrysler [DCX GY EQT] sein von Qualitätsmängeln belastetes Image aufpolieren und dem schleppenden Absatz bis Jahresende neuen Schub verleihen.
Die Preise für die S-Klasse steigen um sieben Prozent, wie der Konzern am Montag in Stuttgart mitteilte. Der Verkauf für die Modelle S 350 (ab Werk ab 70.760 Euro einschließlich Mehrwertsteuer) und S 500 (ab 89.668 Euro) beginnt am Freitag, mit ersten Auslieferungen ist für September zu rechnen. Die im Jahr 1998 gestartete Vorgängerbaureihe - das mit 485.000 Fahrzeugen rund um den Globus meistverkaufte Oberklasse-Modell - ist bereits ab knapp 66.000 Euro zu haben. Das weltweit als Symbol für Luxus geltende Flaggschiff der Baureihe, der S 600, wird mit neuem Zwölf-Zylindermotor und 517 PS erst Anfang nächsten Jahres erhältlich sein. Den Preis will der Automobilhersteller noch nicht verraten.
MERCEDES-BENZ WARTET MIT TECHNOLOGISCHEN INNOVATIONEN AUF
Die Käufer der S-Klasse müssen tiefer in die Tasche greifen als bei BMW [BMW GY EQT] und Audi [VOW GY EQT], die in der Oberklasse stärker geworden sind. Der Audi A8 ist bereits ab 60.900 und der 7-er von BMW ab 62.000 Euro zu haben. Mit einem preiswerten Einstiegsmodell will Mercedes gegenhalten.
Die hohen Preise werden mit technologischen Innovationen gerechtfertigt. Ein Dutzend Neuerungen feiern Premiere: vom Radar gesteuerten Brems- und per Infrarot gesteuerten Nachtsicht-Assistenten, über neue Massage-Sitze und Abstandsregel-Tempomat bis zur Einparkhilfe.
"Mercedes-Benz will deutlich machen, dass sie die führende Rolle im Oberklasse-Segment beanspruchen", sagte Analyst Michael Raab von Sal. Oppenheim. Die DaimlerChrysler-Aktien gaben im Trend mit der Branche und dem Markt 0,4 Prozent auf 33,88 Euro ab, obwohl Goldman Sachs die Gewinnschätzungen für DaimlerChrysler, VW und BMW erhöht hatte.
MODELLOFFENSIVE SOLL VERKAUF ANKURBELN
Die S-Klasse bildet den Höhepunkt der Modelloffensive in diesem Jahr. Neben der S-Klasse wurde auch die M-Klasse und die kleinste Baureihe A-Klasse überholt, neu auf den Markt kommen die B- und die R-Klasse (Sports Tourer). Mit den Modellwechseln begründet der Konzern seinen schleppenden Absatz, der bis Ende Mai mit 402.400 Fahrzeugen 6,6 Prozent unter Vorjahresniveau liegt.
Bis zum Jahresende soll der Absatzschwund der Mercedes Car Group, zu der noch die Nobelmarke Maybach und der Kleinstwagen Smart gehören, mehr als aufgeholt sein. Doch Analysten sind skeptisch, ob der Vorjahresabsatz von 1,226 Millionen Fahrzeugen übertroffen wird. "Es ist vorstellbar, dass die sinkenden Verkaufszahlen der C- and E-Klasse so kräftig ausfallen, dass alle anderen Impulse beim Absatz wirkungslos bleiben", sagte Analyst Raab.
Vor allem Qualitätsmängel bei der E-Klasse haben Mercedes bis zuletzt kräftig zugesetzt und den Konzern zum größten Rückruf in der Firmengeschichte veranlasst. 1,3 Millionen Fahrzeuge auch jüngerer Baujahre mussten wegen Fehlern im Bremssystem und in der Elektrik in die Werkstätten. Zusammen mit den Kosten für die Sanierung der absatzschwachen Smart-Sparte führte dies bei der ehemaligen Ertragsperle des DaimlerChrysler-Konzerns im Auftaktquartal 2005 zum ersten Verlust seit 1993.