Reform des Vertriebssystems

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  1. Elch

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    Brüssel, 09. Jan - Die Autokonzerne müssen sich offenbar auf einen härteren Wettbewerb beim Verkauf ihrer Fahrzeuge einstellen. Die Europäische Kommission plane eine weit reichende Reform des Vertriebssystems von Automobilen in der Europäischen Union, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Kreisen der EU-Kommission. Mit den Vorschlägen für eine Neuordnung, die voraussichtlich am 30. Januar vorgestellt würden, solle eine "umfassende Neuordnung des Vertriebssystems" erreicht werden. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte bereits mehrfach unterstrichen, dass das gegenwärtige System der Gruppenfreistellung, das den Automobilkonzernen einen exklusiven Vertrieb ihrer Fahrzeuge sichert, sich nicht bewährt habe. Die Gruppenfreistellung läuft im Herbst 2002 aus.
    Mit der Reform solle der Verbraucher "künftig auf dem Fahrersitz" Platz nehmen können, hieß es. Dazu solle der Wettbewerb unter den Händlern - auch im Bereich des Internet-Handels - angekurbelt werden. Händler sollten sich künftig etwa auch an Kunden außerhalb ihres bisherigen Vertriebsbereichs wenden können. Zudem sollen sie auch Modelle mehrerer Automobilkonzerne anbieten können.
    Die EU-Kommission hatte bereits im Dezember eine Studie zum Vertriebssystem vorgelegt, in der es unter anderem hieß, eine Voraussetzung für eine Reform sei es, Händlern zu erlauben, mehr als die Marken nur eines Konzerns zu verkaufen. Auch Serviceleistungen wie Reparaturen nach dem Verkauf sollten liberalisiert werden.
    Die erstmals 1985 gewährte Gruppenfreistellung in der EU erlaubt es den Konzernen, Neufahrzeuge über ein exklusives Händlernetz zu vertreiben und den Verkauf durch andere Händler zu unterbinden. Die Hersteller argumentieren, nur so könne nach dem Verkauf ein umfassender Service geleistet werden und setzen sich deshalb für eine Verlängerung der bestehenden Regeln über den Herbst hinaus ein. So hatte etwa ein Sprecher des BMW- Konzerns<BMWG.DE> im November unterstrichen, die Gruppenfreistellung biete auch künftig die Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb. Auch DaimlerChrysler<DCXGn.DE> hatte sich damals für eine Beibehaltung ausgesprochen.
    Monti hatte dagegen mehrfach erklärt, die Gruppenfreistellung habe ihre Ziele nicht erreicht. Immer wieder sei der Wettbewerb durch die Hersteller behindert worden. Die EU-Kommission hatte deshalb unter anderem gegen DaimlerChrysler und den Volkswagen-Konzern<VOWG.F> Geldstrafen verhängt. Auch Verbraucherschützer hatten auf eine Reform gedrängt, um für mehr Wettbewerb zum Vorteil der Kunden zu sorgen.
     
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  3. Elch

    Elch Crack

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    Frankfurt, 24. Jan - Auch bei einer möglichen Öffnung der bislang exklusiven Händlernetze für Automobile dürften in deutschen Supermärkten oder Versandhauskatalogen bis auf Weiteres wohl keine Neuwagen angeboten werden. Momentan gebe es keine Pläne, ins Autogeschäft einzusteigen, heißt es derzeit unisono bei den deutschen Einzelhändlern, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Grund sei unter anderem, dass mit dem Verkauf von Autos auch Service- und Garantiedienste anfielen, was für die Einzelhändler meist zu aufwendig wäre. Auch Branchenkenner sehen künftig weiter eine grundsätzliche Trennung zwischen Einzel- und Fahrzeughandel, rechnen aber verstärkt mit Auto-Sonderaktionen der Kaufhäuser.

    Eine Abschaffung der bisher exklusiven Bindung der deutschen Autohäuser an die jeweiligen Fahrzeughersteller, wie es derzeit noch in der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) geregelt ist, würde den Neuwagenhandel über Kaufhäuser, Internet oder Katalog theoretisch möglich machen. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti denkt darüber nach, die im September auslaufende GVO nicht zu verlängern und die Händlernetze zu öffnen. Monti will damit unter anderem die engen Bande zwischen den Händlern und Werkstätten mit ihren Autoherstellern lockern und eine liberalere Preispolitik durchsetzen. Branchenexperten halten eine Abschaffung der GVO für möglich.

    Die Befürworter eines offenen Handels mit Neuwagen hoffen auf niedrigere Preise für den Endverbraucher durch den intensiveren Wettbewerb. Demgegenüber befürchten die Kritiker einer Abschaffung der GVO - allen voran die Autokonzerne - einen höheren Preisdruck, sinkende Gewinnmargen und den Wegfall von Arbeitsplätzen. Bei großen Einzelhändlern wie etwa Rewe - zu dem unter anderem die Supermarktketten HL, MiniMal, Toom und Penny gehören - ist der mögliche Verkauf von Neuwagen derzeit aber kein Thema. Schließlich kaufe niemand ein Auto "im Vorbeigehen am Supermarkt-Regal", sagte ein Rewe-Sprecher. "Das ist ja eine größere Investition für den Verbraucher, da hat er zurecht ein großes Informations- und Betreuungsbedürfnis." Sollte der Kunde dann mit dem Auto nicht zufrieden sein, riskiere man, ihn auch als Supermarkt-Kunden zu verlieren.

    Auch andere Einzelhändler wie Karstadt<KARG.DE>, Wal-Mart <WMT.N>, Metro<MEOG.DE> oder Tchibo haben derzeit nach eigenen Angaben keine Pläne, Automobile in ihr Warensortiment aufzunehmen. Auszuschließen sei das Ganze aber nicht, sagte ein Sprecher von Karstadt. Bei den Versandhäuser Neckermann und Otto hieß es, ein Einstieg ins Autogeschäft sei nur mit einer gut funktionierenden Kooperation mit Fachleuten machbar. "Wenn wir so etwas planen würden, dann nur mit einem Partner aus der Automobilbranche, der Qualität und Service bietet", sagt Otto-Sprecherin Christina Ziegfeld. Letztlich komme es bei der Entscheidung darauf an, was der Kunde wolle.

    Für Sonderaktionen scheint die Möglichkeit des Verkaufs von Neuwagen dagegen einen gewissen Reiz auf die Einzelhändler auszuüben. Die Handelskette Edeka hatte erst vor wenigen Monaten für Aufsehen gesorgt, als sie einen Fiat Punto nebst Motorroller oder Laptop zum Schnäppchenpreis anbot. Fiat ging jedoch gerichtlich dagegen vor. Auch beim Otto-Versand konnten Kunden vor vier Jahren einen Opel Corsa im Katalog bestellen, Vertragspartner blieb aber der Autohändler. "Im Prinzip war das Angebot von uns nur ein Autoradio mit einem Corsa dran", sagte Otto-Sprecherin Ziegfeld. Auch nach Ansicht von Rewe kommen Sonderaktion wohl nur als Ausnahmen in Frage. "Wir haben so etwa schon einmal mit einem VW-Käfer getan. Aber so weit ich sehe, ist nicht beabsichtigt, dass wir regelmäßig Autos verkaufen", heißt es bei dem Kölner Handelshaus.

    Auch Analysten sehen ein mögliches Engagement der Einzelhändler im Neuwagen-Geschäft überwiegend skeptisch. Thilo Kleibauer, Experte für den Einzelhandelssektor beim Wertpapierhaus M.M Warburg, sieht im Neuwagenverkauf kein attraktives Geschäftsfeld für den Einzelhandel. "Gerade beim Verkauf von Autos muss ein großer Vorrat angelegt werden, und die Einzelhandelsunternehmen wollen ja gerade ihre Lagerbestände abbauen. Ich kann mit nicht vorstellen, dass auf Dauer Autos angeboten werden, abgesehen von Sonderaktionen", sagte Kleibauer. Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst bei WestLB Panmure, hält eine Bedrohung der Automobilindustrie durch die Handelsketten nicht für realistisch. "Ich sehe da nicht die vielbeschworene Revolution im Autohandel", sagte er. Die Einzelhändler seien nicht gut damit beraten, in das Geschäft einsteigen, da sie immer auf die Kooperation mit dem Autohersteller<VOWG.DE><BMWG.DE><DCXGn.DE> angewiesen seien.
     
  4. Elch

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    Rüsselsheim, 05. Feb - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die von der EU-Kommission geplante Liberalisierung des Autohandels in Europa kritisiert. "Die Zerstörung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) würde für die deutsche Automobilindustrie enorme Wettbewerbsnachteile mit sich bringen", sagte Schröder am Dienstag bei der Eröffnung eines neuen Opel-Werkes<GM.N> in Rüsselsheim. Gelegentlich werde in Brüssel zu wenig an die industrielle Produktion gedacht.
    Deutschland gehöre nicht zu den Ländern, die vom Dienstleistungssektor allein leben könnten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Politik müssten sich zusammensetzen, um eine Entscheidung zu bekommen, die den industriellen Interessen folge.
     
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